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Collegium Vocale Hannover zu Gast bei den Nikolausberger Musiktagen

Musik ist nur dann in ihrem ganzen Umfang existent, wenn sie praktiziert wird. Ihre Flüchtigkeit ist dem Werden und Vergehen des menschlichen Lebens vergleichbar. Sie kann Trauer und Leid, aber auch Hoffnung und Gewissheit direkter vermitteln, als es das Wort alleine kann. Und genau davon handelte dieses Konzert. Heinrich Schütz komponierte die Musicalischen Exequien, eine Beerdigungsmusik, anlässlich des Todes seines Landesherren Heinrich Posthumus Reuß mitten im 30jährigen Krieg. Die zu vertonenden Bibelverse und Liedtexte hatte dieser noch zu Lebzeiten selber zusammengestellt. Auch die Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“ von Rudolf Mauersberger, die nach dem ersten Teil der Exequien erklang, steht in einem ähnlichen Zusammenhang: Mauersberger komponierte sie  am Karfreitag und -samstag 1945 und verarbeitete seine Eindrücke von der Zerstörung Dresdens, die er unmittelbar miterlebt hatte. Den Text entnahm er den Klageliedern des Propheten Jeremia. Der zweite Einschub in die Exequien war Arnold Schönbergs „Friede auf Erden“. Um die Intonation zu erleichtern, komponierte Schönberg eine Orgelbegleitung für den Chorsatz. 1923 stellte Schönberg einen Bezug zwischen der Aufführungsweise und der weltpolitischen Entwicklung her. Er schrieb „ Mein Chor >Friede auf Erden< ist eine Illusion für gemischten Chor, eine Illusion, wie ich heute weiß, der ich 1906, als ich sie komponierte, diese reine Harmonie unter Menschen für denkbar hielt. […] Seither habe ich nachgeben lernen müssen und gelernt, dass Friede auf Erden nur möglich ist unter schärfster Bewachung der Harmonie, mit einem Wort: nicht ohne Begleitung.“ So korrespondierten die drei sehr unterschiedlichen Werke mit ihrem inhaltlichen Aussagen über die Jahrhunderte hinweg. Auch Heinrich Schütz hatte für die Exequien instrumentale Begleitung vorgesehen. Die drei Instrumentalisten, Ryoko Morooka (Orgel), Irmelin Heiseke (Violone) und Dennis Götte (Laute), waren dem Chor eine kongeniale Begleitung und konnten jeweils auch in zwei Stücken solistisch glänzen. Mit der Toccata d-Moll von Froberger für Orgel sowie der Sonate für Laute und Basso Continuo von Ferrarese schufen sie instrumentale Ruhepunkte zwischen den Chorsätzen.

Das Collegium Vocale Hannover unter der Leitung von Florian Lohmann hat seine Schwerpunkte im Bereich der Alten und der Zeitgenössischen Musik und nutze mit diesem Programm die Gelegenheit, in beiden Bereichen zu glänzen und hoch differenziert zu musizieren. Die gut ausgebildeten Stimmen fügten sich zu einem wunderbar homogenen Chorklang zusammen. Die vielen Solopartien, die aus dem Chor heraus besetzt waren, machten immer wieder das große sängerische Potential der einzelnen Mitwirkenden hörbar. Der Kontrast zwischen den Exequien und den modernen Einschüben wurde durch die Interpretation, die Lohmann einstudiert hatte, deutlich herausgearbeitet und ließ die einzelnen Stücke umso klarer und eindrücklicher auf die Zuhörer wirken.

Wer nach oben schaute, konnte oberhalb der Musiker in der Deckenbemalung die korrespondierenden musizierenden Engel mit Orgel und Laute sehen – ein himmlisches Musizieren passend zu einer himmlischen Aufführung.

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