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Literaturherbst

Altes Rathaus

Nicht nur Bücher haben Schicksale und eine Geschichte, nein. Schon Manuskripte können Schicksale haben. Manche werden nie gedruckt, manche wandern, manche verschwinden gänzlich. Lange Zeit galt das auch für Arthur Koestlers weltberühmten Roman „Sonnenfinsternis“, dessen Manuskript er auf seiner Flucht vor den Nazis Ende der 1930er Jahre zurücklassen musste. Koestlers Freundin Daphne übersetzte das Werk ins Englische, und es gelang ihr, die Übersetzung gerade noch rechtzeitig nach England zu verschicken, sodass das Werk erstmals 1940 publiziert werden konnte. Koestler schrieb nach seiner Flucht nie wieder auf Deutsch, bis auf eine einzige Ausnahme: Die Rückübersetzung des Werkes aus dem Englischen, auf der alle Drucke des Romans basierten, zumindest bis ins Jahr 2015, als ein Durchschlag des verschollen geglaubten deutschsprachigen Originalschreibmaschinenskripts von dem Germanistik-Doktoranden Matthias Weßel im Archivbestand der Universität Zürich entdeckt und 2018 veröffentlicht wurde. So hatten die Zuhörer*innen, die am Abend des 23. Oktober den Weg ins Alte Rathaus gefunden hatten, das Privileg, diesen ganz besonderen Roman mit seiner ganz besonderen Geschichte in der Originalfassung zu erleben – gelesen von Ilja Richter.

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