passend zum Artikel

Willkommen!
Um alle Funktionen zu nutzen, loggen Sie sich bitte ein.
Passwort vergessen?
Registrieren Sie sich hier neu

kulturbuero plus

29. Göttinger Literaturherbst

Kooperation mit den Händel-Festspielen

Der preisgekrönte Autor und Slam Poet hat sich zum Literaturherbst im Göttinger Händel-Jubiläumsjahr seinen feinsinnigen und poetischen Reim auf das Opernlibretto gemacht und in Sopranistin Anna-Lena Elbert und Cembalistin Johanna Soller zwei ebenso inspirierende Musikerinnen an seiner Seite. Um Inspirationen kreisen auch Jarwans erste Texte mit den Kinobildern vor den Mauern Trojas, wo dann zehn Jahre gekämpft und gestorben wurde, weil der Anführer für die zündende Idee so lange brauchte. Wobei der Schriftsteller bei ihm eher ein bisschen Betriebsblindheit vermutet, wo doch Ideen auf der Straße liegen, die man halt als solche erkennen müsste. Und so ruft er zum Vergleich mit dem kleinen Maulwurf einen Kinderbuchhelden ab, der taktisch klug und mit auf Spurensuche blieb bis klar war, wer ihm auf den Kopf gemacht hatte: „Ein großer Erfolg mit minimalen Mitteln“ lässt Jarwan sein Publikum wissen, das auch schon gespannt ist, wie er jetzt wohl den Anschluss an die Motive des Opernlibretto findet.

Die musikalische Antwort kommt von Johanna Soller mit der Opernouvertüre und ihren Motiven, die am Cembalo ihre dramatische Wirkung entfalten. Dann lässt Sopranistin Anna-Lena Elbert in einer lyrischen Arie zwei verliebte, treue Herzen in Wonne schmachten, bis Jarawan sich mit seinem ersten Paarreim als verliebter Jungpoet wieder ans Werk macht und die vielen holprigen Reime auf dem Weg zu den lyrischen Herzenstönen und Wortmelodien erinnert. Auch in die Kriegsrhetorik des Librettos hat Jarawan hinein gehört, als er in alten Texten nach Korrespondenzen mit den Motiven der Oper forschte und sich von den musikalischen Bildern bewegen ließ. Die Geschichte seiner Eltern und wie sie sich im Libanon kennenlernten durchdringen die Zeilen des Librettos, in denen die jungen, ruhmreichen Helden beschworen werden, vor denen sich der Vater in die Heimat seiner deutschen Frau in Sicherheit brachte. Dann beschreibt er das Staunen, das ihm sein Großvater mit anschaulichen Bildern beigebracht habe und die Faszination des kleinen Jungen für das menschliche Herz, der später sein Herz an die Sprache verlieren würde.

Natürlich hat der Erzähler mit seinen beiden Musikerinnen zuvor das Libretto befragt, in dem ständig von Herzensangelegenheiten die Rede ist und wie sie als stolz und ehrlich, treu oder auch verschmäht empfunden werden. Nachdenklich stimmt der gemeinsame Chor mit all den verbalen Herzensschwüren, weil sie der Musik bedürfen, um so zu faszinieren wie die Beschreibung des Organs mit den beiden Kammern und den beiden Vorhöfen, das Jarawan als Orchester voller Klänge betrachtet. Dieses Orchester voller Klänge strahlt auch in der Stimme von Anna-Lena Elbert und in den Arien einer Deidamia, die den drohenden Verrat ahnt und leidenschaftlich beklagt.

Den Hinweis auf das Schicksal der Nebenfiguren, denen in Händels Oper ein Happy End vergönnt ist, verbindet Jarawan mit Witz und Ironie und wird nun zum komödiantischen Chronisten über ein Happy End unter erschwerten Bedingungen. Dass ihm zu seinem Heiratsantrag an die geliebte Gefährtin nicht nur der passende Ring fehlte, sondern auch das Größenmaß, das sich leider nicht heimlich ermitteln ließ. Beim Juwelier und seinen skeptischen Mitarbeiterinnen macht sich der Erzähler keine Freunde, wenn sich dann auch noch als Künstler outet. Erst recht nicht, wenn er die Damen schließlich um ein bisschen Fantasie bittet: „Stellen Sie sich die ästhetischste Bifi der Welt vor.“ Umso so mehr begeistert sich das vergnüglich kichernde Publikum erneut für diese wunderbaren Erzähler, Poeten und Sprachkünstler und sein musikalisch inspirierendes Bündnis mit Sopranistin Anna-Lena Elbert und Johanna Soller am Cembalo für ein ganz besonderes Opernabenteuer mit Händels „Deidamia“.

Mehr zu diesem Thema:

passend zum Artikel

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie hier sind - und schön, dass Sie dieser Artikel interessiert.

Wussten Sie, dass die Autorinnen und Autoren des Kulturbüros für ihre Arbeit bezahlt werden? Das werden sie - genauso wie die Kolleginnen und Kollegen, die die vielen Termine in den Kulturkalender eintragen.

Vielleicht verstehen Sie, dass wir diese Inhalte nicht allen kostenlos zugänglich machen können. Wir sind auf bezahlte Zugänge (Abonnements) angewiesen - eigentlich wie alle, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, für ihre Angebote Geld verlangen müssen.

Wenn Sie ein solches Abonnement (nur 5 Euro im Monat oder 50 Euro pro Jahr) abschließen möchten, brauchen Sie nur

hier

zu klicken. Alternativ können Sie für nur 1,20 Euro einen Tageszugang einrichten, um diesen Artikel ganz zu lesen.

Vielen Dank!

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.