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Abschluss des Krönungszyklus mit Matthesons Trauermusik für Georg I.

Wenn Johann Mattheson als letztes Werk eine Trauermusik für die eigene Beerdigung komponiert, die dann auch noch den Titel „Das fröhliche Sterbelied“ trägt, dann darf man auf die Entdeckung des „Oratorium auf das Absterben des Königs von Großbritannien Georg I.“ gespannt sein. Und tatsächlich ist hier zwar eine Trauermusik entstanden mit allem, was dazu gehört, wie zum Beispiel Moll-Tonarten und gedämpfte Trompeten. Dennoch kann man alleine schon den Text nicht ganz ernst nehmen: „Hannover“, „Britannien“, „Das Gerücht“ und „Die Göttliche Vorsehung“ übernehmen die solistischen Passagen, ein Chor darf Choräle beisteuern. Georg I. ist auf einer Reise von London nach Hannover verstorben. Das Oratorium "erzählt" von den Reaktionen. Im Schlusschor heißt es dann „Schlaf teures Haupt in deiner Höhlen … Schlaf! Schlaf!“ Zwischendurch erklingen immer wieder musikalische Affekte, vor allem das Glockenspiel „Carillione“ sei genannt.

Die Musik Matthesons dringt aber im Gegensatz zur Musik seines engen Freundes Händel nicht bis ins Herz vor. Zu verkopft, zu akademisch kommt die Musik daher. Da hilft es auch nicht sehr viel weiter, wenn die mit der Aufführung dieser wiederentdeckten Trauermusik Bernhard Forck mit dem Händelfestspielorchester Halle betraut wird. Forck versucht zwar, die Musiksprache Matthesons aufzunehmen und pointiert zu veranschaulichen. Die Musik bleibt jedoch spröde – und der alberne Text verleitet zusätzlich dazu, diese Musik nicht ganz ernst zu nehmen. Das "Schlaf! Schlaf!" im Schlusschor hatte beinahe etwas Erlösendes.

Dazu kommen Ungenauigkeiten in der Wiedergabe. Es war nicht immer alles ganz sauber, was von der Bühne der Göttinger Stadthalle erklang. Bisweilen kamen die Musiker, die im Stehen musiziert haben, an ihre Grenzen. Vielleicht hätten sie sitzend ihre Konzentration ganz dem Spiel widmen können. Das ist schade, denn es lenkte ein wenig ab vom ansonsten sehr schönen Orchesterklang. Die Streicher spielten durchsichtig, die Holzbläser virtuos und vielfältig in den Klangfarben. Das machte sich vor allem in den Anthems von Händel sehr positiv bemerkbar.

Den Gesangspart hatte das Vocalconsort Berlin übernommen. Das kleine Ensemble hat einen wunderbaren Chorklang. Die nur jeweils dreifach besetzten Stimmen meisterten ihren relativ kleinen Part hervorragend. Die Gesangssolisten wurden aus dem Chor heraus gestellt. Hier zeigte sich, dass gute Chorsänger nicht immer auch gute Solisten sind: Einzig Cécile Kempenaers (Sopran), Julián Millán (Bariton) und Clemens Heidrich (Bass) wussten zu überzeugen. Kaspar Kröner (Countertenor) und Kevin Skelton (Tenor) wirkten in ihren Partien blass.

Das Oratorium wurde eingerahmt von zwei selten aufgeführten Anthems von Georg Friedrich Händel „Have mercy upon me“ und „As pants the hart“. Hier konnte das Vocalconsort sein Können unter Beweis stellen. Virtuos und klangschön begeisterte der Chor das Publikum in der gut gefüllten Stadthalle. Händel hat diese dreistimmigen Anthems (die Altstimme fehlt) kunstvoll mit Fugen und Kontrapunkten versehen, so dass sie gesanglich und musikalisch höchste Ansprüche stellen. Die Sängerinnen und Sänger des Vocalconsorts stellten sich diesen Ansprüchen bravourös!

Dieses Konzert bildete den Abschluss des dreiteiligen „Krönungszyklus“, dessen Konzerte in Kooperation mit den Händel-Festspielen Halle konzipiert wurden.

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