passend zum Artikel

Willkommen!
Um alle Funktionen zu nutzen, loggen Sie sich bitte ein.
Passwort vergessen?
Registrieren Sie sich hier neu

Händel-Festspiele

Opernvergnügen mit „Rodrigo“

Zwischen „Rodrigo“ und seiner Freundin Florinda“ läuft offenbar einiges schief. Zu den Klängen der Ouvertüre wird klar, dass auf der Bühne gerade dicke Luft herrscht und dass es dazu noch keine Arien braucht. Erica Eloff und Anna Dennis umkreisen einander mit finsterer Miene und offenbar ein bisschen genervt. Es steht ja auch sonst nicht alles zum Besten um den königlichen Herrscher, der seinen fiesen Vorgänger abgesägt hat und nun selbst krumme Dinger dreht. Schon wenn Juri Tetzlaff den Opernplot vorstellt, giggelt das Publikum vergnügt. Der Kika-Moderator, der traditionell die Familienfassung der Opernproduktion bei den Händel Festspielen moderiert, hat immer die passenden Sprüche auf Lager und erzählt vor allem wunderbar anschaulich.

Zunächst sind zwar die Operngestalten an der Reihe, zu denen neben dem launigen Pärchen auch Rodrigos wahnsinnig gutherzige und freundliche Ehefrau Esilena (Fflur Wyn) gehört, die sich gar nicht gern betrügen lässt und sich in ihr Gartenparadies vergräbt. Spannend ist natürlich die Frage, was es mit dem iPad auf sich hat, obwohl sich die Geschichte dieses treulosen Herrschers ursprünglich vor 1308 Jahren abgespielt haben soll. Mit dem Hinweis, dass die Oper eben auf ganz unterschiedliche Weisen erzählt werden kann, erklärt Tetzlaff zugleich, was es mit einem modernen Regiekonzept auf sich hat, bei dem sogar das Original-Gänseliesel einen Platz auf der Bühne bekommt. Auf einen Boten, eine Brieftaube oder eine Flaschenpost kann Rodrigo locker verzichten. Ist ja auch viel praktischer, die aktuellen Nachrichten gleich vom Bildschirm abrufen, auch wenn sie bald schon ziemlich mies ausfallen. Es wird richtig dramatisch, wenn Florinda und ihr Bruder Giuliano (Jorge Navarro Colorado) mit dem eigentlichen Thronerben Evanco (Russel Harcourt) zum Rachefeldzug rüsten. Doch erst mal ist noch ein Sonderapplaus für Opernhund „Sunny“ und seinen Auftritt als königlicher Gefährte fällig, bevor der Moderator verkündet, dass es in dieser Oper nicht nur nach Rache schreit. Es singt nach Rache, weil Florinda richtig sauer ist.

Tetzlaff enträtselt immer wieder Fragen, die sich vielleicht nicht nur das ganz junge Opernpublikum stellt. Das in den meisten Barockopern italienisch gesungen wird, auch wenn sich im Fall von Rodrigo die Handlung im spanischen Sevilla abspielt. Dabei steht ihm Sopranistin Erica Eloff gern zur Seite und erklärt den verwunderten Zuschauern, warum sie als Frau den königlichen Fiesling spielt und singt, und was es mit den so genannten Hosenrollen auf sich hat, in denen auch Händels Primadonnen gefeiert wurden. Wie ein echter Macker kann die Sopranistin so richtig schön lässig posieren, mit Kinnbart und stolz geschwellter Brust.

Esilena ist am Boden zerstört, verkündet Tetzlaff und macht neugierig auf General Fernando (Leandro Marziotte), der nun als tröstender Gefährte vollen Einsatz auf dem Fahrrad zeigt und so die schönen Erinnerungen der Königin mit Lichtenergie beleuchtet. „Schön gesungen“ schwärmt Tetzlaff bald darauf, wenn Fflur Wyn Esilenas Verzicht auf Mann und Reich verkündet. „Habt ihr gehört wie schön sie die Melodie verziert hat?“ Bei der Frage, wie sich 300 Jahre alte Noten zu neuem Leben erwecken lassen, macht er sich am Orchestergraben schlau. Laurence Cummings erzählt von Stimmungen und Gefühlen, über die er sich Gedanken macht und dass das Tempo dabei eine ganz bedeutende Rolle spielt. Dazu ist natürlich eine kleine Kostprobe fällig. Auf high speed getrimmt entlockt die Arie dem Maestro am Cembalo ein lautes Nein, und wo die herzergreifende Melodie erlahmt und fast schon eiert, folgt dem Ausruf „Schrecklich!“ auch eine schöne Gruselgrimasse.

Beim Kampf um Sevillas Thron zieht das Tempo nun mächtig an mit der Erstürmung des Schlosses durch die Rebellen. Das Publikum darf Stimmung machen mit Revolutionsgeschrei. „Rodrigo weg, hat keinen Zweck“. Tetzaff sondiert noch einmal die Motive des rachsüchtigen Trios, das mehr als ein Hühnchen mit dem königlichen Fiesling zu rupfen gedenkt. Mit der engelsgleichen Erscheinung von Esilena steigen nicht nur die Aussichten auf ein versöhnliches Finale bei dem nicht nur ein reumütiger Rodrigo seinen Kopf aus der Schlinge ziehen kann. Mit Florinda und Evanco hat sich ein zweites glückliches Paar gefunden, das mit dem Opernensemble, dem Festspielorchester und einem unterhaltsamen Opernführer von den Zuschauern begeistert gefeiert wird. Auch mit der Aussicht auf weitere vergnügliche Opernabenteuer.

Mehr zu diesem Thema:

passend zum Artikel

Liebe Leserin, lieber Leser,

schön, dass Sie hier sind - und schön, dass Sie dieser Artikel interessiert.

Wussten Sie, dass die Autorinnen und Autoren des Kulturbüros für ihre Arbeit bezahlt werden? Das werden sie - genauso wie die Kolleginnen und Kollegen, die die vielen Termine in den Kulturkalender eintragen.

Vielleicht verstehen Sie, dass wir diese Inhalte nicht allen kostenlos zugänglich machen können. Wir sind auf bezahlte Zugänge (Abonnements) angewiesen - eigentlich wie alle, die Produkte und Dienstleistungen anbieten, für ihre Angebote Geld verlangen müssen.

Wenn Sie ein solches Abonnement (nur 5 Euro im Monat oder 50 Euro pro Jahr) abschließen möchten, brauchen Sie nur

hier

zu klicken. Alternativ können Sie für nur 1,20 Euro einen Tageszugang einrichten, um diesen Artikel ganz zu lesen.

Vielen Dank!

Interessiert Sie dieser Artikel und Sie möchten ihn weiterlesen?

Das ist natürlich problemlos möglich. Sie können einmalig einen Testzugang einrichten, einen Tageszugang bestellen oder ein Monats- bzw. Jahresabonnement abschließen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Wenn Sie bereits einen Zugang haben, können Sie sich hier einloggen und weiterlesen.

Diese Seite verwendet Cookies, mit denen Informationen lokal auf Ihrem Rechner gespeichert werden. Mit der Benutzung der Seite stimmen Sie der Nutzung von Cookies zu.