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Deutsches Theater

Im besten Boulevardkomödienton

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»Das Abschiedsdinner« auf der DT-X Bühne
Rezension von Tina Fibiger, erschienen am 09. Oktober 2023

Schon wieder steht Pierre und Clotide ein Abend in geselliger Runde bevor, bei dem die ewig gleichen Rituale nerven, die belanglosen Gespräche und das, was die Gastgeberin schon immer als besondere Spezialität servieren wird. Auf der Bühne im Bistro-Keller des Deutschen Theaters demonstrierten Daniel Mühe und Katharina Pittelkow auch nicht gerade Aufbruchstimmung, aber das weniger wegen des überflüssigen Dinners. Das in die Jahre gekommene Eheleben der Lacoers wird mal wieder mit kleinen Gehässigkeiten und ironischen Kontern umspielt. Man könnte meinen, es sei ihr „Abschiedsdinner“, das Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière mit ihrer Komödie ansteuern. Aber das gehört für das französische Autoren-Duo zum guten Boulevardkomödienton, dass es gern auf die ein oder andere nicht durchschaubare Fährte lockt. Und so lässt sich das Publikum in der Inszenierung von Jochen Strauch auch immer wieder unterhaltsam austricksten.

Unter den befreundeten Paaren und den Bekannten der Lacoers hat ein Plan die Runde gemacht. Wo die Freizeit zwischen Beruf und Familie und den üblichen Verwandtschaftsritualen eh schon knapp bemessen ist, könnte ein Abschiedsdinner Abhilfe schaffen, um die vielen freundschaftlichen Verpflichtungen mit den immer gleichen, zeitaufwendigen Verabredungen möglichst stilvoll abzubauen. Fast schon gut gelaunt sehen Pierre und Clode dem kulinarischen Abgesang auf Antoine und Béa entgegen und lästern um die Wette.  Alles ist fein abgestimmt mit erlesen teurem Wein aus dem Geburtsjahr des künftigen Ex-Freundes und seiner Lieblingsmusik. Sogar ein hässliches Urlaubsgeschenk wird zu dem Anlass wieder pret à porter aufgebügelt. Doch dann steht Pierres alter Kumpel ohne seine Gattin vor der Tür, und müffelt auch noch ziemlich streng nach der Begegnung mit einem Obdachlosen. Nichts läuft nach Plan. 

Bald wird Nikolaus Kühn als Abschiedsdinner-Gast die Performance mit all den launigen Nettigkeiten und Umarmungen genüsslich aufmischen. Doch zum komödiantischen Aperitif sind noch mal die vertrauten Rituale fällig. Der ewige Doktorand hat immer ausreichend Stoff, um sein Schicksal zu beklagen, diesmal über den Tod seines langjährigen Analytikers und eine Neuauflage seiner akademischen Katastrophe. Und wieder bewährt sich der Freund mit dem florierenden Verlag und dem ordentlichen Alltagssetting als geduldiger Zuhörer, während Clotide auf ein baldiges Ende des Abends spekuliert, der ein paar unsanfte Wendungen nimmt. Antoine weiß bereits, was es mit der Abschiedsdinner Taktik auf sich hat. Aber dass das er quasi für den Testlauf herhalten soll, ist ein Anlass für lautstarke Empörung und einen impulsiven Abgang, auf den ein subtiler Schlagabtausch folgt, Pointiert, versteht sich, weil sich jetzt zwei Rollenspieler in den Ring begeben, die einander die jahrelang polierte Fassade verbeulen. Die hält weniger aus als die ewig lange Freundschaft, wo offen über Macken und Eigenheiten gelästert wurde, die das vertraute Bündnis immer wieder bestärkten. Dass Einer ganz gern in seinem eigenen Saft schmort und jammert und der andere alltägliche und besondere Katastrophen wesentlich entspannter abzuwickeln scheint.  

Daniel Mühe lässt seinen Pierre mit spontanen Panikstimmungen jonglieren während Niklaus Kühn in Antoine einen wachsamen Beobachter entdeckt, der ganz entspannt um die Gunst der Stunde pokert. Während die beiden Freunde ihre Wortgefechte austragen, hält sich Katharina Pittelkow souverän im Hintergrund.  Manchmal hat es den Anschein, als ob sie auch dem Publikum heimlich zuzwinkert, weil ihre Clotilde bei diesem Abschiedsdinner Planspiel vor allem für sich zu punkten gedenkt. Auch als Schauspielvergnügen nimmt der Theaterabend weitere trickreiche Wendungen, die das Abschiedsdinner-Trio mit Witz und Ironie bis zum überraschenden Showdown umspielt. Echte Freundschaften sind eben nicht so ohne weiteres zu schreddern, nicht wenn darüber so pointiert gelästert und gefeilscht wird, wie bei diesem komödiantischen Abschiedsdinner.

Tina Fibiger

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