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St. Marien

Empathie, Großzügigkeit, Nächstenliebe und Toleranz mit dem Göttinger Knabenchor

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Erfolgreiches Weihnachtskonzert unter der Leitung von Michael Krause in der Marienkirche
von Richard Kneffel, erschienen am 14. Dezember 2023
Der Göttinger Knabenchor bei seinem Weihnachtskonzert 2023 in der Göttinger Marienkirche | © Photo: Kneffel

Seit seiner Gründung im Jahr 1962 hat sich der Knabenchor Göttingen einen festen Platz in der Musik- und Kulturlandschaft Südniedersachsen erworben. Er knüpft an die sächsische Tradition der Knabenchöre an und ist als Konzertchor ohne eigenes Internat auf die Partizipation musikbegeisterter Jungen aus Göttingen und der Umgebung angewiesen. Durch diverse Auftritte außerhalb Südniedersachsen konnte sich der Knabenchor hohe Anerkennung verdienen und gewinnt weiterhin regelmäßig Mitglieder. Seit 2003 liegt seine künstlerische Leitung in den Händen von Michael Krause. 

Das Weihnachtskonzert am 10. Dezember 2023 in der Göttinger Marienkirche trug den Titel »Ecce Novum – Motetten und Lieder zur Adventszeit«, die Erwartungen an das Konzert hätten für den Chor nicht größer sein können. Der Chor stellte unter Beweis, dass diesen Erwartungen mehr als gewachsen war.

Eine halbe Stunde vor Beginn des Konzertes war der Einlass in die Kirche geplant und bereits vor diesem Zeitpunkt hatte sich eine beachtliche Menschenmenge vor den Pforten der Kirche versammelt. Der Andrang war überwältigend und sprach definitiv für die Qualität und das Ansehen des Göttinger Knabenchores, auch da das Publikum sehr gemischt war, von jung bis alt warteten alle gespannt auf das Konzert. Von drinnen erklangen bereits die ersten Töne durch das Einsingen des Chores und ermöglichten einen ersten Eindruck des bevorstehenden Konzertes. Als die Türen der Kirche für die Zuhörenden geöffnet wurden, begann sofort ein großes Gedränge und Geschiebe, da alle die besten Plätze bekommen wollten. Als dann alle saßen und die Knaben des Chores eingelaufen waren, begann der Chor das Konzert mit einer Ouvertüre.

Dabei konnte man schon das erfahrene Gespür von Michael Krause wahrnehmen, da unmittelbar nach den ersten Tönen ein Stuhlgeschiebe sondergleichen losging, was das beginnende Konzert durchaus störte. Wie sich jedoch schnell bemerkbar machte, hatte der Chorleiter dies eingeplant, da erst nach der Ouvertüre, als alle Stühle endlich richtig standen, der Vorchor in die Kirche kam, einige Worte bezüglich einer Programmänderung gesprochen wurden und dann erst das Konzert so richtig begann. Begleitet wurden einige Lieder von Nik Myers an der Orgel, wobei diese an den vereinten und kräftigen Stimmen der Knaben scheiterte und oftmals unterging oder gar nicht zu hören war. Wieder etwas, was für die Qualität des Göttinger Knabenchores spricht.

Was ebenfalls dafür spricht, war die Stelle des Konzertes, an der »Stille Nacht, Heilige Nacht« gesungen wurde. Die beiden Solisten vermochten es in Begleitung ihrer Kameraden durch ihren klaren Gesang, der ausdauernden und gleichbleibend perfekt das ganze Lied durchhielt, die gesamte Zuhörerschaft in Staunen zu versetzen. Quittiert wurde diese wunderbare Meisterleistung vollkommen zu Recht mit einem tosenden Szenenapplaus. Dies stellte jedoch nur die Spitze des Eisberges dar, da der Gesang des Göttinger Knabenchores das gesamte Konzert über (fast zwei Stunden mit Zugabe) bezaubernd war. Dies ist deshalb besonders bemerkenswert, da der Chor einen Tag zuvor mit dem gleichen Programm in Heiligenstadt aufgetreten war.

Perfektioniert wurde das Konzert jedoch von der Liedauswahl und -komposition Michael Krauses. Bereits im Eingangsstatement wurde vom Sprecher des Chores gesagt, dass dieses Konzert im Zeichen der Menschen stehen soll, die nicht das große Glück haben, in der Weihnachtszeit einem Chorkonzert in einer Kirche lauschen zu können, sondern durch Krieg, Flucht und Vertreibung um ihr Leben fürchten müssen. Es ist immer schwierig, aktuelle politische Weltlagen einzufangen und widerzuspiegeln ohne sich dabei die (politischen) Finger zu verbrennen. Dennoch ist es vor allem in der Weihnachtszeit sehr wichtig, Empathie, Großzügigkeit, Nächstenliebe und Toleranz nicht nur zu predigen oder zu schenken, sondern auch zu leben. 

Es war daher richtig und wichtig, dem Konzert auch einen politischen Beigeschmack zu geben, zumal die aktuellen Bezüge auch musikalisch aufgenommen wurden:  Zuerst sang der Chor dazu das alte jüdische Lied »Adon Olam«, das das Vertrauen der Menschen in die göttliche Vorsehung ausdrückt. Kurz darauf ertönte »Wa Habibi«, ein libanesischer Klage- oder Trauergesang. Welch wunderbare Analogie hier zum aktuellen Nahostkonflikt deutlich wurde, ohne dass dabei irgendeine politische Stellungnahme oder Positionierung nötig wäre, beziehungsweise geschieht. Ganz im Gegenteil wird mit dem sich anschließenden Lied gefragt »Ubi Caritas« (lat. für: Wo ist die Menschlichkeit?). Dies rührte alle Anwesenden und stieß eine Empathie für die aktuell von Krieg und Gewalt betroffenen Menschen an, welche nach der Abrundung des musikalischen Konzeptes durch den Gesang von Liedern, die für einen Soldatenchor im Ersten Weltkrieg geschrieben wurden, mit wieder einmal zurecht frenetischem Applaus bezahlt wurde. 

Ein Konzert, das es schafft, allein durch die Programmauswahl eine Art Dialog zu erzeugen, dabei die Verluste beider Seiten in den Vordergrund stellt und dem es sogar anschließend noch gelingt, einen eigenen eignen Akzent in dieser künstlich erzeugten Debatte zu setzen, muss mehr als nur perfekt genannt werden. Es ist dem Wort Hochkultur wirklich angemessen und erzeugt eine Katharsis, die man so nur selten bei derartigen Veranstaltungen erfährt. 

Man verließ die Kirche mit dem Gefühl, wunderschönen Gesang gehört zu haben, durch das Motto der Veranstaltung in Weihnachtsstimmung zu sein und durch die Liedauswahl dennoch den Kontakt zur Realität behalten zu haben und nicht in einen Elfenbeinturm gestiegen zu sein, was der Kulturszene ja gerne vorgeworfen wird.

Das Weihnachtskonzert des Göttinger Knabenchores war eine Veranstaltung, die ihres gleichen sucht. Die künstlerische Leitung ist vollkommen zu Recht in den äußerst fähigen Händen von Michael Krause und bleibt dies hoffentlich auch noch länger, damit weiterhin solche wunderbaren Konzerte stattfinden.

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Richard Kneffel

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